Hausdrache (Plon)

Der Plon

Der glückbringende Hausdrache Plon (© Annette Bricks)

Der glückbringende Hausdrache Plon (© Annette Bricks)

Der sorbische Glücksdrache (sorbisch/wendisch plon) bringt unverhofft Reichtum als Korn oder Geld ins Haus, dafür muss man ihn jedoch mit Hirsebrei füttern. Manchmal sieht man ihn in den Abendstunden am Himmel entlangziehen oder auf dem Scheunendach sitzen.

Es gibt eine ganz Reihe unterschiedlichster Erzählungen über den sorbischen Drachen, die von Willibald von Schulenburg bereits 1882 in „Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte“ dokumentiert wurden:

Der hungrige Plon

Der Plon hatte einem Bauer viel Geld herbeigeschafft und der Bauer wollte ihn gern wieder loswerden. Dazu hing er an einen Balken in der Scheune einen Strumpf auf, schnitt unten den »Fuß« weg und sagte zum Plon: »Perej njekrynjoš nic jěsć, až budžoś tu strumpu pełnu penjez nanosić, eher kriegst nichts zu essen, als bis Du den Strumpf voll Geld wirst tragen«. Weil aber das Ende fehlte, wurde der Strumpf nie voll und der Plon »musste« vor Hunger »weg«. Doch das Geld, das der Bauer von ihm im Hause hatte, wurde lauter Pferdedreck (konjace gowna), nur das Geld, das er verborgt hatte, blieb richtiges Geld.

Der Plon bei Schleife

Im Jahre 1817, abends zwischen 11 und 12 Uhr sah der alte Mudra einen Plon über Schleife wegziehen, der war gerade wie eine Henne so groß und das ganze Dorf war licht. Er oder ein anderer sagte: »Plon! plon!« da wurde er immer kleiner und kleiner und hat sich zuletzt verzogen.

Der Plon als Baumstamm

Ein Mann, Namens Hanko, ging Nachts in der zwölften Stunde von Halbendorf nach Schleife. Wie er etwa auf tausend Schritt dem Dorfe nahe war, hörte er hinter sich, als schlüge einer mit der Leine auf die Erde und dann gab es ein grosses Licht. Hanko sprach: »Ty zaklety plon, co som ja tebi winowaty, Du verfluchter Drache, was bin ich Dir schuldig?« Sofort lag quer über die Strasse ein glühender Baumstamm (žagły bom) und Hanko bekam einen solchen Schreck, dass ihm die Haare zu Berge standen (až su se jomu te łosy zwigali) und die Mütze hoch hoben. Dann fing der glühende Stamm an sich zu heben in die Luft, und wurde kleiner und kleiner, zog wie eine runde Kugel nach Gross-Düben hinüber und verschwand zuletzt als ein kleiner Punkt in der Luft.

Entnommen von: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882. Die Texte sind gemeinfrei.